Der Godntag und immer Ärger mit Barbie

Über Familienfeste, die Frage ob Barbie Puppen noch angesagt sind und ob es Alternativen dazu braucht?

In meiner Familie ist es Tradition Patenkinder zweimal im Jahr, zu Ostern und zu Allerheiligen, anlässlich eines sogenannten „Godntags“ zu beschenken. Golis und Göds, so werden Patentanten und -onkel in der Region Niederösterreichs genannt, in der ich aufgewachsen bin, schenken ihren Patenkindern neben dem obligatorischen Allerheiligenstriezel (ein mit Hagelzucker verziertes Gebäck aus Germteig), Süßigkeiten und andere kleine Geschenke.

Nächstes Wochenende ist es wieder soweit und wir feiern gemeinsam den Godntag meiner Patenkinder. Dazu bin ich bei meiner Schwester eingeladen und freue mich schon riesig. Nicht nur weil sie immer unglaublich gut und viel kocht, sondern auch weil wir im Haus und Garten meiner Schwester ausreichend Platz zum Spielen und Herumtollen mit den Kindern haben. Meine Nichten freuen sich schon auf meinen Besuch und auch ein kleines bisschen auf ihre Geschenke. Ich befinde mich gerade mitten in den Vorbereitungen für den Godntag. Ich muss nicht nur meine dehnbarste Jeans aus dem Kasten suchen (damit ich gut vorbereitet bin für das Essen 😉), sondern ich muss noch überlegen, welche Geschenke ich mitbringe. Zu diesem Zweck rufe ich meine Schwester an, um meine Nichten nach ihren Wünschen zu fragen. Prompt schießt meine vierjährige Nichte heraus, dass sie sich nichts sehnlicher wünsche als eine Barbie. Auch detaillierte Kleidungswünsche für die Barbie hat sie geäußert.

Nichts leichter als das. Ich verstehe meine Nichte und kann nachvollziehen, dass ihr diese Puppen in all ihrer Perfektion gefallen. Diese wunderschönen langen Haare, das makellos geschminkte Gesicht, der Teint, die Taille und dann auch noch diese Endlosbeine. Obendrauf ist sie immer top gestylt und trägt Kleider in den prachtvollsten Farben. Schöner könnten diese Puppen meiner Fantasie auch nicht entspringen. Auf der anderen Seite vermitteln Barbie Puppen aufgrund ihres Aussehens und ihrer Darstellung als Prinzessin, Braut oder Meerjungfrau, nicht unbedingt ein realistisches Frauenbild. Ein realistisches Bild zu vermitteln ist ja nicht zwingend Aufgabe von Puppen aber nur das Aussehen zu thematisieren ist auch irgendwie plump. Da ich mich schon seit meiner Kindheit nicht mehr mit Barbie Puppen beschäftigt habe, beginne ich zu recherchieren. Gibt es mittlerweile schon realistischere Barbies, beziehungsweise ist Diversität im Barbie-Land angekommen?

Ich beginne mit meiner Recherche auf der Website von Mattel, dem Hersteller der Barbie Puppen. Gleich auf der Startseite stoße ich auf die „You can be anything Barbie“. Klingt mal nicht so schlecht. Neben Prinzessin, kann man mittlerweile auch schon Feuerwehrfrau und Ärztin werden. Auch gibt es „Barbie Fashionistas“ mit unterschiedlichen Körperproportionen (breitere Hüften, kleinere Körpergröße etc).

Genug der Online Recherche, will ich mir die Barbies  IRL ansehen. Also mache ich mich auf den Weg in ein Spielzeuggeschäft auf der Mariahilferstraße, weil dort gerade -20% auf alle Spielwaren angeboten werden. Die Puppen Abteilung kann man kaum übersehen, da alles schön in rosa und pink gehalten ist. Im ersten Moment sehe ich meine ursprünglichen Vorurteile ziemlich bestätigt – blonde Barbie in rosa Kutsche mit Einhorn, sowie Barbie im Hochzeitskleid mit Ken. Zwischen den ganzen Prinzessinnen und Disney Figuren ist es schwierig die „You can be anything Barbie“ und die „Fashionistas“ zu finden.

You can be anything – really?

Die Puppen aus der „You can be anything Barbie“ Serie sind in diesem Geschäft ziemlich unterrepräsentiertich kann nur zwischen der Naturwissenschafterin und der Tierärztin wählen. Erst auf den zweiten Blick entdecke ich, dass die Naturwissenschaftler-Barbie eine etwas realistischere Figur im Vergleich zu den „normalen“ Barbies hat. Verglichen mit ihren Konkurrentinnen ist sie nur halb so stark geschminkt, trägt einen Labormantel und beschäftigt sich laut Verpackung mit der Erforschung der Ozeane, des Weltalls, der Erde und sogar der Tiere. Irgendwie bin ich mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Einerseits finde ich es gut, dass es eine „Forscher -Barbie“ gibt, auf der anderen Seite denke ich, dass diese Puppe erst recht nur Stereotype, wie Naturwissenschaftlerinnen auszusehen haben, erfüllt. Einige Puppen aus der Barbie „Fashionistas“ – Serie haben zwar etwas realistischere Körpermaße, jedoch gibt es nur wenig Auswahl. Wie der Name vermuten lässt, steht bei diesen Puppen die Mode im Vordergrund, also nicht so interessant für meine vierjährige Nichte.

Mein Streifzug durch die Puppenabteilung hat mir gezeigt, dass diesen Puppen mit den  unrealistischen Körpermaßen  nach wie vor viel Platz in den Verkaufsregalen geboten wird. Ich finde es erstaunlich, dass sich ein Spielzeug wie Barbie schon so vielen Jahrzehnten (seit den 60er Jahren) hält und sich trotz aller Kritik noch immer solcher Beliebtheit erfreut. Überrascht hat mich auch, dass ein so großes Spielzeuggeschäft  keine echten Alternativen zu Barbie anbietet. Gibt es keinen ausreichenden Markt hierfür?  Ich hätte mir erhofft, dass es zwischen den Puppen mehr Unterschiede bei Körperbau, Hautfarbe, Haare gibt und vor allem, dass mehr Berufsbilder und Hobbies aufgezeigt werden – ohne klassische Klischees wie bei der Science Barbie zu bedienen. Diversität ist zwar im Barbie-Land angekommen, jedoch nur am Rande und mittels speziellen Kollektionen. Es braucht eindeutig mehr „Lisa Lionhart“ und weniger „Malibu Stacys“*.

Zurück zum Godntag: Ich habe mich für Stacy aus der „Barbie Dolphin Magic Reihe“ entschieden. Eine eher sportliche bzw kindliche Puppe mit Surfbrett, ohne Riesenbrüste und mit flachen Füßen. Stacy mit dem Surfbrett ist ein voller Erfolg und meine Nichte ist hellauf begeistert. Auch der Kommentar meiner Schwester, „Oh mein Gott, warum hat diese Puppe Arme wie eine Magersüchtige? Ist das die neue Anorexie-Barbie? Gib das weg…“, hat ihr die Freude nicht genommen… aber mir zu Denken gegeben.

Feiert ihr Godntag mit euren Patenkindern? Wie geht ihr mit Wünschen eurer Nichten und eurer Neffen um und hättet ihr Bedenken Barbies zu kaufen?

*The simpsons, Episode 95

 

 

2 Gedanken zu „Der Godntag und immer Ärger mit Barbie

  1. Barbies finde ich toll, auch wenn Sie ein bisschen mehr mit der Zeit gehen könnten. Ich würde z.b. gerne Fußballerinnen Barbies sehen. Danke für den Hinweis auf die Simpsons Folge, die ist einmalig!

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