Die Krux mit den eigenen Tanten und Onkeln

Wie heißgeliebte Besuche bei der Verwandtschaft zu ungeliebten Pflichtterminen wurden –  oder was ihr am besten NICHT anstellt, wollt ihr eure Nichten und Neffen auch noch im Erwachsenenalter öfters um euch haben ….

Als ich selbst noch ein Kind war, habe ich liebend gerne Tante und Onkel am Wochenende zu Kaffee und Kuchen besucht. Meine Eltern musste ich meist nicht lange überreden, schon griff ich zum Hörer um uns anzumelden und sehr selten hatten meine Verwandten keine Zeit. Mit fortgeschrittenem Alter und als ich anfing in Wien zu studieren, wurde ich, was die Verwandtschaftsbesuche anging, mehr und mehr passiv. Zu Weihnachten und zu Ostern gab es einen Fixtermin bei Oma, wo auch die meisten meiner Verwandten da waren. Leider ist meine Oma vor einigen Jahren verstorben und mehr und mehr wurden die Verwandtschaftsbesuche zum ungeliebten Ereignis und das hat nicht nur einen Grund….

BRINGSCHULD

„Weißt du überhaupt noch wo wir zu Hause sind“ ist ein Standardspruch meiner Tante. Besagte Tante hat mich noch kein einziges Mal in Wien besucht. Abtrünnige stehen nun mal in der Schuld und haben zu leisten – ahm ich meine zu besuchen. Vorschläge wie „Besuch du mich doch mal in Wien“ werden mit „was ich – na was tu denn i in Wien“ zerschlagen. Nun was soll ich bei so stichhaltigen Argumenten noch entgegnen!

DIE WIENER

Seit mehr als 14 Jahren lebe ich in Wien und das aus freien Stücken. Ich glaube für manche meiner Verwandten ist das schwer nachvollziehbar. Begrüßungen wie „D’Wearnarin is a wieda moi do“ sind Standard. Für mich ist es keine Beleidigung, als Wienerin bezeichnet zu werden, aber ich vermute, dass es für sie eine wäre. Ich finde es aber anstrengend, dass mein Wohnort immer Gesprächsstoff bietet. Ich bin in Oberösterreich geboren, aufgewachsen und hier in die Schule gegangen. Ich liebe meine Heimat. In Wien fühle ich mich zu Hause und es ist eine der schönsten Städte der Welt. Ich liebe es (genauso) und Punkt. Mehr gibt es meiner Meinung nicht hinzuzufügen, oder doch?

DER ZEITFAKTOR

Mein perfektes Wochenende in OÖ in den Augen meiner Verwandtschaft, gleicht der Wahlkampftournee von Sebastian Kurz vor der letzten Nationalratswahl. Ein Besuch jagt den nächsten. „Ach wo“ höre ich so manche Tante in meinem Hinterkopf murmeln „kommst ja eh nie“. Und das entspricht auch eher meiner Vorstellung von einem entspannten Wochenende. Denn nach einer Arbeitswoche habe ich am Wochenende endlich mal Zeit Dinge zu besorgen oder einfach meine Ruhe zu genießen. Außerdem kann ich es meinen pensionierten Tanten eher zumuten eine Reisezeit von mehreren Stunden auf sich zu nehmen um mich zu besuchen, denn die können sich immerhin unter der Woche davon erholen. Oder nicht?

MIT ZWEIERLEI MASSSTAB MESSEN

Beim letzten Kaffeekränzchen bei meiner Godi, erzählt sie mir, sie sei vor einigen Wochen in Schönbrunn im Tiergarten gewesen. Sie erzählt mir sehr ausführlich davon. Sie sei mit dem Zug hingefahren, habe sich ein U-Bahn Ticket gekauft und sehr viele Leute seien unterwegs gewesen. In diesem Moment stelle ich mir vor, ich würde ihr erzählen, dass ich letzten Samstag beim Dorfwirt bei ihr zu Hause zu Mittag gegessen habe und wie gut es nicht war und wie schön der Gastgarten nicht sei usw. Da würde sie mich doch sofort entrüstet fragen, warum ich nicht vorbeigekommen bin, wo ich doch hier war! Drum wage ich es nachzufragen, warum sie sich nicht bei mir gemeldet hat, als sie in Wien war? Es war halt recht stressig, mit dem Zug hin und her zu fahren und ich sei doch bestimmt sehr beschäftigt gewesen und das wäre sich auch alles nicht mehr ausgegangen, weil eben dieser Stress. Aber wann ich denn das nächste Mal wieder auf Besuch komme? Sie würde sich gleich mal ihren Kalender holen….

Kommt euch das bekannt vor? Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Zeiten, die ich als Kind mit meinen Tanten und Onkeln verbringen durfte. Kartenspielen, Ostereier suchen, Kühe melken, im eiskalten Bach baden oder den besten Käsetoast vertilgen, ist nur ein kleiner Ausschnitt daraus. Sie haben sich viel Mühe gegeben meine Kindheit zu bereichern. Warum klappt‘s also jetzt nicht mehr so richtig? Ich wünsche mir, dass es mit meinen Nichten und Neffen anders wird. Aktuell sind sie noch in einem Alter, da ist es noch einfach ihr Star zu sein. In ein paar Jahren sieht das schon wieder ganz anders aus. Wie geht es auch da draußen, die ihr schon erwachsene oder beinahe erwachsene Neffen und Nichten habt?

2 Gedanken zu „Die Krux mit den eigenen Tanten und Onkeln

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.