Rosa für Mädchen, kein Rosa für Jungen

Über die Wirkung von Farben ob Rosa schon immer eine Mädchenfarbe war

Meine Nichten bzw Patenkinder, vier und acht Jahre alt, könnten verschiedener nicht sein. Die Jüngere liebt Pink und Rosa und möchte sich am Liebsten von Kopf bis Fuß in diesen Farben kleiden – was ihr auch ab und zu gelingt. Sie liebt nicht nur rosa/pinke Kleidung, sondern auch ihre gleichfarbigen Spielsachen und Buntstifte. Mein älteres Patenkind hingegen hat eine Abneigung gegen diese Farben. Wenn sie sich etwas wünscht, dann fügt sie ganz selbstverständlich hinzu, dass es keinesfalls rosa oder pink sein soll. Mit Puppen und Barbies kann sie wenig anfangen, sie hat eine ausgeprägte Liebe für Piraten und Dinosaurier. Glück für sie, denn Piraten und Dinos gibt es selten in Verbindung mit rosa und pink. Für mich hingegen ist es nicht immer einfach passende Kleidung und Spielsachen – also ohne rosa und pink für sie zu finden. Warum ist rosa eigentlich die klassische Mädchenfarbe und hellblau die Jungenfarbe?

rosa Buntstift, blauer Buntstift, japanische Figur

Rosa – das kleine Rot für Jungen

Laut der Autorin Eva Heller, steht keine andere Farbe mehr für Weiblichkeit als Rosa. Rosa steht für zart, weich und klein. Das war jedoch nicht immer so. Früher war Rot eine männliche Farbe und Rosa – das kleine Rot – die Farbe der kleinen Jungen. Daher wurde das Jesuskind oft in einem rosaroten Kleid dargestellt (zB Giottos Ognissanti Madonna von 1365). Erst rund um 1920 wurde Rosa zur weiblichen Farbe. Dass Rosa zur Farbe für kleine Mädchen wurde, hat laut Eva Heller, unter anderem, mit der Entfremdung der religiösen Farbsymbolik zu tun. In der religiösen Farbsymbolik ist Blau die Marienfarbe und hellblau war früher die Farbe für kleine Mädchen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde blau jedoch verstärkt als Farbe der Marine-Uniformen und Arbeitsanzüge  wahrgenommen. Daher wurden kleine Jungen in die Farbe der Arbeitswelt gekleidet und für Mädchen blieb als traditionelle Kontrastfarbe Rosa (Eva Heller, Wie Farben wirken, S 115 ff).

Rosa – keinesfalls für Jungen

Während meiner Kindheit, ich bin in den späten 80er Jahren geboren, war es in Ordnung für Mädchen Farben abseits von rosa und pink – also auch blau – zu tragen. Was sich aber nicht geändert hat, oder ich vielleicht nicht wahrnehme ist, dass Jungen umgekehrt zu rosa greifen (können).

Bei Kleidung sehe ich nach wie vor sehr selten Burschen mit rosa Strampler, T-Shirt, Pulli, Jacke oder Hose. Ob dies nur daran liegt, dass Burschen diese Farbe nicht so gut gefällt wie Mädchen? Ich weiß es nicht. Was mir jedoch auffällt ist, dass in Spielzeug- und Kleidungsgeschäften oft Alternativen zu diesen klassischen Buben- oder Mädchenfarben fehlen. Man hat den Eindruck, sich zwischen Rosa und Hellblau entscheiden zu müssen. Oft habe ich das Gefühl, die Wahl wird mir beziehungsweise meinen Nichten genommen. Denn hier gilt nach wie vor Rosa ist für Mädchen, weil eben klein, zart und weiblich. Meine Kollegin hat mir von ihrem Nachbarn erzählt, der sich geniert hat, weil sein dreijähriger Sohn ein pinkes T-Shirt anhatte. Obwohl das T-Shirt neu war, hat er es weggeworfen. Also kein Rosa für Burschen, weil eben klein, zart und weiblich? Meine Freundin, Mutter eines 18 Monate alten Jungen, findet zwar, dass dieser Rosa-Wahn bei Mädchen übertrieben ist, würde jedoch ihrem Sohn nie rosa Kleidung kaufen. Rosa spaltet die Lager. Diese Polarisierung sieht auch Buchautorin Eva Heller so. Laut ihr unterscheiden sich bei Rosa die Farbsympathien von Frauen und Männern deutlicher als bei jeder anderen Farbe. 8 % der Frauen finden Rosa schöner als jede andere Farbe und 7% lehnen rosa komplett ab. Nur 2 % der Männer bezeichnen Rosa als ihre Lieblingsfarbe und 12 % benennen Rosa als Farbe, die sich am wenigsten mögen[1].

Ich bin gespannt, wie lange dieser Trend fortbesteht –  immerhin hält er schon fast ein Jahrhundert. Mich würde interessieren welche Eigenschaften ihr mit Rosa verbindet? Finden eure Nichten und Neffen Rosa toll oder eine Farbe wie jede andere? Würdet ihr für eure Neffen rosa Kleidung kaufen bzw kennt ihr Burschen, die von sich aus zu Rosa greifen? Braucht es rosa Piraten und Dinos?

[1] Wer sich für Farbenlehre, Farbsymbolik und Farbpsychologie interessiert, dem empfehle ich von Eva Heller, Wie Farben wirken.

 

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